Chen Hsian-Wu * , **
3. Schlußbemerkung
Bei der Verwendung des forward-chaining ist Vorsicht geboten, denn die Rekonstruktion normativ-logischer Strukturen vollzieht sich nicht immer linear, sondern kann rekursive und parallel Elemente enthalten. Ein Beispiel hierfür liefert bereits § 1 TWG, der bereits den Interpolanten ‚Verurteilte’ verwendet, obwohl dieser erst weiter hinten definiert wird. Somit ist ein forward-chaining, das von rechtlichen Inhalten abstrahiert und Normen als reine Formalismen behandelt in der praxis nicht möglich.
Durch die Technik des Interpolanten kann man die logische Normstruktur tatsächlich einfacher darstellen und – darauf aufbauend – logische Schlüsse ziehen. Aus rein formaler Sicht kann der Interpolant eliminiert werden, das hat der mathematische Logiker Gentzen109 vor dem zweiten Weltkrieg bereits bewiesen. Wenn es aber um den Inhalt geht, dann entwickelt der einmal eingeführte Interpolant eine Eigendynamik. Als Beispiel dafür kann der Begriff des subjektiven Rechts angeführt werden: Ross geht davon aus, daß es sich bei diesem um einen eliminierbaren Interpolanten handelt110; obwohl es sich tatsächlich um einen Interpolanten handelt, zeigt die historische Erfahrung, daß dieser Interpolant keineswegs eliminierbar ist, sondern eine Eigendynamik aufweist, die ebenso deutlich, wie wichtig ist.
108 A.a.O., S. 179.
109 Siehe Gentzen, Gerhard, Untersuchungen über das logische Schließen I, II,in: Mathematische Zeitschrift 39 (1934), S. 176-210, 405-431.
110 Ross, Alf, On Law and Justice, p. 188.
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